Bergisches Land

Im März 2022 erscheint unser neuer Geo-Exkursionsführer für Familien. Claudia Lehnen und ich haben das Bergische Land erwandert und erkundet und spannende Exkursionen ausgearbeitet. Alle Informationen zum Buch sind hier. Der Exkursionsführer, der doch in die Tasche passen soll, beinhaltet die Exkursionen. Hier aber findet Ihr nun noch viele weitere Informationen zur Erdgeschichte des Bergischen Landes, die wir für Euch ausgearbeitet haben. Sie sind wichtig, um die Ziele unserer Exkursionen besser zu verstehen.

Mehr Informationen zur Geologie des Bergischen Landes und zu den einzelnen Exkursionen hier im Blog.

Mehr Abbildungen und noch mehr Exkursionsvorschläge. Mehr Fotos, mehr Höhlen, mehr Gipfel, mehr Fossilien, mehr Abenteuer. Das Bergische Land ist wirklich ein Abenteuerland.

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Die Erdgeschichte des Bergischen Landes

Exkursionen in eine Welt, die von 400 Millionen Jahren entstand

Dieser Exkursionsführer ist für Familien geschrieben, die die Geologie und die Erdgeschichte des Rheinlandes kennen lernen wollen. Unterwegs auf Touren und Ausflügen stoßen wir immer wieder auf Gesteinsformationen. Wir finden bunte Sedimentschichten in alten Steinbrüchen, in Bachläufen sind Felsen freigespült. Manchmal glitzern Kristalle in der Sonne. Wir wandern vorbei an schroffen Felswänden, untersuchen Steinbrüche und  stoßen auf Höhlen. All das ist Geologie. Geologie ist extrem spannend, wenn wir sie verstehen und wenn wir ihre Schrift lesen können. Wir stehen im Gelände vor Zeugen, die die Erde vor vielen Jahrmillionen schuf. Wenn wir sie erkennen und interpretieren können ist es, als würden wir in einem Krimi lesen. Denn die Geschichte der Erde ist eine spannende Geschichte. Ein seit Jahrmillionen andauerndes Abenteuer voller Katastrophen. Kontinente brechen auseinander und stoßen zusammen, Erdbeben verändern die Erdoberfläche. Vulkane schütten Lavamassen über die Erde und vernichten ganze Landschaften. Aber auch ganz langsame Vorgänge haben gravierende Folgen. Fließendes Wasser gräbt sich tief in Gebirge ein, bildet gewaltige Täler, frisst Höhlen in den Stein und schafft auf der anderen Seite tausende Meter dicke Sedimente im Meer.

Alles aber dauert seine Zeit, die Zeit ist die vierte Dimension der Geologie. Immer müssen wir im Auge behalten, dass geologische Vorgänge in Zeiträumen ablaufen, die wir benennen, aber die wir uns nicht vorstellen können. Wer kann sich hundert Millionen Jahre vorstellen? Wer kann darüber nachdenken, dass sich ein Kontinent fortbewegt? Ein Gebirge wie die Alpen wird in absehbarer Zeit zu Sandkörnern zerbröselt sein. Ein paar dutzend Millionen Jahre wird das dauern. Können wir so etwas erfassen? Das gewaltige Mittelrheintal mit der Loreley erscheint wie aus Stein gemeißelt und ist doch erdgeschichtlich ganz jung. Erst vor 400.000 Jahren begann der Rhein, sich in das Rheinische Schiefergebirge hinein zu fressen. Allein die Aussage, das sei erdgeschichtlich ganz jung, ist voller Dramatik. Das soll jung sein? Ja, denn die Gesteine des Rheinischen Schiefergebirges sind uralt, sie bildeten sich vor 400 Millionen Jahren im Devonmeer, das damals die Region des heutigen Europas bedeckte. Dass der Atlantik vor 180 Millionen Jahren noch gar nicht existierte, weiß heute jeder Schüler. Aber wo finden wir Zeugnisse dafür? Finden wir sie auch im Rheinland?

Dieses Buch führt zu ausgesuchten geologischen Orten im Bergischen Land, an denen Geologie verständlich wird. Wir haben Orte und Touren ausgesucht, die landschaftlich reizvoll sind, die spannend sind, die Erlebnisse bieten. Wer sich mit dem Thema Geologie beschäftigt, wird den Krimi Geowissenschaften überall erleben. In der Eifel, im Siebengebirge und im Bergischen Land. In den Alpen, in den Pyrenäen und ebenso am Nordseestrand wie auf den Kanarischen Inseln.

Schauen wir nun einmal, was sich im Rheinland in den vergangenen erdgeschichtlichen Epochen abspielte.

Vor 450 Millionen Jahren (die Zeit davor lassen wir nun mal als gegeben dastehen) bildeten sich auf der Erde große Kontinentalmassen heraus. Im Süden lag der Urkontinent Gondwana, er bestand aus den alten Teilen des heutigen Afrikas, Südamerikas, der Antarktis, Australiens, Madagaskars und Indiens. Im Norden lag der Kontinent Laurussia. Großbritannien, Spitzbergen, Grönland und Nordostkanada enthalten Reste von ihm.

Aber was heißt jetzt schon wieder „alte Teile“? Nehmen wir Afrika, es besteht aus einem ganz alten Teil der Erdkruste, einem Kraton. Auf seinem Weg nach Norden schob er wie eine Bugwelle Sedimente vor sich her, die sich zum Gebirge auftürmten, dem Atlasgebirge. Oder Südamerika, auch ein Erdteil, der aus alten und jungen Teilen besteht. Einst war auch Südamerika Teil des Urkontinentes Gondwana. Erst zu Beginn des Erdzeitalters Jura zerbrachen die zusammenhängenden Landmassen von Afrika und Südamerika. Jetzt erst öffnete sich der zuvor nichtexistierende Atlantik. Südamerika wurde von Afrika weggedrückt und an seiner Ostseite entstand eine Knautschzone, eben die Anden. Die ozeanische Erdkruste des Pazifiks und die kontinentale Erdkruste des Kontinents Südamerika stießen gegeneinander – die Anden falteten sich auf.

Zurück jedoch nach Europa. Während im Süden Gondwana lag, erhob sich im Norden Laurussia, auch Old-Red-Kontinent genannt. Dazwischen lag ein Urozean, die Paläotethys, der letzte Rest davon ist das heutige Mittelmeer. Auf dem Nordkontinent hatte sich ein Hochgebirge gebildet, das Kaledonische Gebirge. Es war so groß wie die heutigen Alpen, verwitterte aber schon langsam. Die Verwitterungsprodukte, Sande, Kies und Ton wurden in das südliche Meer, die Paläotethys gespült. Hier bildeten sich zur Zeit des Unterdevon bis zu zehn Kilometer dicke Sedimente, überwiegend Sandsteine und Grauwacken. Auch Grauwacke ist ein Sandstein, er ist schlecht sortiert und überwiegend ungeschichtet. Zwischen Gondwana im Süden und dem Old-Red-Kontinent im Norden liegen nun mächtige Meeressedimente. Gondwana drängt nach Norden, der Urozean wird eingeengt und die Sedimente des unterdevonischen Meeres werden zu einem neuen Gebirge zusammengedrückt, das die Geologen Variszisches Gebirge nennen. Dieses Gebirge faltete sich im Erdzeitalter Unterkarbon vor 350 Millionen Jahren auf, im Oberkarbon vor 300 Millionen Jahren war es wieder verwittert. Bedenken wir dabei immer die langen Zeiträume, die zur Verfügung standen. Wächst ein Gebirge nur um einen Millimeter im Jahr, steht dort nach 20 Millionen Jahren ein Hochgebirge. Wandert ein Kontinent nur einen Zentimeter im Jahr, ist er nach zehn Millionen Jahren 1000 Kilometer weit entfernt.

Der Rumpf dieses Variszischen Gebirges ist das heutige Rheinische Schiefergebirge – Eifel, Sauerland, Siegerland, Bergisches Land, Hunsrück und Taunus. Aber auch die Belgischen Ardennen und Gebirge Böhmens in Osteuropa gehören dazu. In diesem Führer gehen wir der Erdgeschichte im Bergischen Land auf die Spur.

Im Perm, vor 300 Millionen Jahren, trafen alle existierenden Kontinentalmassen aufeinander. Es bildete sich der Riesenkontinent Pangäa. Auf der Erde existierte jetzt nur noch ein großer Kontinent. Wie eine Bucht ragte von Osten her die Paläotethys dort hinein.

Einen so weiten Weg ins Landesinnere konnten Regenwolken nur selten zurücklegen. Auf dem Kontinent entwickelten sich deshalb großflächige Wüstengebiete.

Zum Beginn des Erdmittelalters, also zu Beginn der Trias vor rund 250 Millionen Jahren, lag der Bereich des Rheinlandes trocken, war Festland. Von den Ardennen, damals ein Hochland, wurde Verwitterungsschutt in das Eifelbecken gespült, die Eifel war damals ein Senkungsgebiet. Abgelagert wurden bunte, meist rötliche Sandsteine und Konglomerate mit kleinen, bis kindskopfgroßen Quarzgeröllen. Die Ablagerungen waren terrestrisch, wurden nicht im Meer, sondern auf dem Festland sedimentiert. Es waren Schuttmassen, die einfach die Berge hinabrutschten. Es gibt Gebiete, in denen Flussablagerungen auftreten, in anderen finden sich Dünensande. Die Sedimente des Bundsandsteins finden sich vor allem im Raum Trier, in der Südeifel, in der Umgebung vor Gerolstein, in der Mechernicher Triasbucht und im Rurtal bei Nideggen. Anderswo sind sie bereits wieder verwittert.

Aus den Erdzeitaltern Jura und Kreide gibt es im Rheinland keine Ablagerungen. Erst im Tertiär kommt es wieder zu landschaftsformenden Ereignissen. Vor etwa 50 Millionen Jahren begann der Vulkanismus in der Zentral- oder Hocheifel. An die 400 Ausbruchspunkte sind hier bekannt, aber in der langen Zeit bis heute wurden große Teile der Vulkane erodiert, nur die basaltischen Schlotfüllungen ragen noch in die Landschaft. Hohe Acht und Nürburg sind bekannte Beispiele dafür. Zu dieser Phase des Eifelvulkanismus gehören auch einige Vulkane im Ahrtal, wie die Landskrone und der Neuenahrer Berg.

Vor 30 Millionen Jahren brach die Niederrheinische Bucht ein. Große Bruchstrukturen in der Erdkruste ließen den Raum zwischen Bonn, Aachen, Roermond und Wesel absinken. Den Übergang vom Mittelrhein zum Niederrhein erkennen wir hinter Linz. Hier öffnet sich das enge Mittelrheintal, die Berge weichen auseinander, werden flacher und gehen in eine Ebene über, die Niederrheinische Bucht. Die Nordsee drang in diesen Bereich vor, damals lag die Küste bei Bonn. Am Übergang zwischen Meer und Land bildeten sich Sümpfe, aus denen mächtige Torfablagerungen entstanden. Aus diesem Torf bildete sich im Laufe der folgenden Jahrmillionen die Rheinische Braunkohle. Die Niederrheinische Bucht sank weiter ab, insgesamt lagerten sich während des Erdzeitalters Tertiär eintausend Meter mächtige Sedimente ab.

Vor 25 Millionen Jahren stieg an der östlichen Bruchzone der Niederrheinischen Bucht im Bereich Königswinter Magma auf. Es kam zu gewaltigen Vulkanausbrüchen. Die Region zwischen Porz im Norden und Linz im Süden wurde von einer zweihundert Meter dicken Tuffschicht bedeckt. Danach war erst einmal Ruhe, bis eine Million Jahre später wieder Magma aufstieg. Allerdings waren es diesmal nur kleine Mengen. Die Lava drang in den Tuff ein und blieb dort stecken. Es bildeten sich dort sozusagen Lavablasen im Tuff mit einigen hundert Metern Durchmesser. Um hier die Verwirrung zu nehmen, die Vulkanologen bezeichnen eine Schmelze als Magma, solange sie in der Erde ist. Wenn sie an der Erdoberfläche als Vulkan austritt, bezeichnen sie die Schmelze als Lava. Aus diesen vulkanischen Schichten entstand in jüngster Erdgeschichte die Landschaft des Siebengebirges.

Vor rund einer Million Jahren wurde in der Eifel der Vulkanismus wieder aktiv. Im Untergrund bildete sich eine gewaltige Magmenstruktur, der sogenannte Eifelplume. Magma stieg vom Erdmantel ganz langsam nach oben, bis in 30 Kilometer Tiefe unter die Erdoberfläche. Dieser Plume existiert noch heute und ist dafür verantwortlich, dass der Eifelvulkanismus noch als aktiv gilt. Gerade im Jahre 2019 teilten Vulkanologen mit, dass sie tief unter dem Laacher See magmatische Bewegungen festgestellt hätten.

In der Westeifel und in der Osteifel brachen hunderte Vulkane aus. Überall ragen Schlackenkegel in den Himmel. Nennen wir sie doch einfach mal richtige Vulkane, obwohl natürlich auch die alten Schlotfüllungen der Hocheifel oder die Vulkane des Siebengebirges richtige Vulkane sind. Aber diese Schlackenkegel der Ost- und Westeifel sind Vulkane, wie wir sie zum Beispiel aus Italien kennen. Es sind Feuerberge, wie sie auf den jungen Kanarischen Inseln stehen, auf den Azoren und den Kapverden. Hier öffnete sich die Erde, Lava schoss heraus und häufte sich zu einem klassischen Vulkankegel an.

Häufig finden sich in der Westeifel vulkanische Sprengtrichter als Eintiefungen, die sogenannten Maare. Einige Maare sind sogar wassergefüllt, man spricht dann von einem Maarsee. Etwa 75 Maare gibt es in der Eifel. Das jüngste ist das Ulmener Maar, das vor 11.000 Jahren ausbrach.

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