Krötenleben

Wenn die Erdkröten im Frühjahr auf Wanderschaft gehen

Erdkröten bieten von allem Amphibien das beeindruckendste Schauspiel : irgendwann im Frühjahr werden sie wach, kommen in Unmengen aus ihren Winterschlafplätzen und machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Hunderte können es sein, gar tausende. Erdkröten sind groß, bis zu 18 cm werden die Weibchen, bis zu 10 cm groß die Männchen. Sie sind behäbig, kriechen vor sich hin und hüpfen nicht so schnell weg wie Frösche. Das macht sie zu idealen Beobachtungsobjekten. Während Frösche und Unken blitzschnell verschwinden, wenn man sich ihnen nähert, sitzt die Erdkröte einfach nur da – oft zu ihrem Nachteil, auf Straßen werden deshalb oft unzählige Erdkröten tot gefahren.

Da sitze ich da, beobachte die Weiher und Teiche, ob sich denn irgendwo eine Kröte zeigt, immer wieder nichts. Und dann, plötzlich sind sie da, wie Ufos sind sie gelandet,  sitzen im Wasser und glotzen. 5°C muss im Boden herrschen, mindestens einen halben Meter tief und das ein paar Tage lang, dann machen sich die Erdkröten auf den Weg. Solange gar Bodenfrost herrscht, denken sie ganz nicht daran aus ihren Winterquartieren zu kommen. Aber dann … schlagartig rennen alle los in Richtung Laichgewässer. Ein paar hundert Meter bis gar mehrere Kilometer wandern die Erdkröten, abends in der Dunkelheit ziehen sie los und sind bis lange nach Mitternacht unterwegs. Und morgens sind wie durch ein Wunder die Teiche voller Erdkröten. In den ersten Tagen sind es noch wenige, vor allem Männchen sitzen da und warten auf die Weibchen, um sich mit ihnen zu paaren.

Erdkrötenmännchen im Decksteiner Weiher

Dabei sind sie so geil, dass sie sich an alles klammern, was irgendwie auch nur im entferntesten wie ein Erdkrötenweibchen aussehen kann : eine Hand, ein Gummistiefel, ein Holzstück, ein Fotoapparat. Und wenn dann wirklich ein Weibchen kommt, dann stürzen sich oft mehrere Kerle auf das arme Ding, klammern sich an sie und ersäufen sie.

Zwei, drei warme Tage und Nächte reichen und alle sind da, die Gewässer wimmeln nur so von Erdkröten, die sich in Ufernähe im flachen Wasser tummeln, wo sich idealerweise allerhand Äste angesammelt haben, beseelt nur von dem Gedanken, sich zu paaren. Eine gewaltige Krötenorgie.

Stören lassen sich die Erdkröten dabei von kaum etwas, weshalb sie wunderbar zu beobachten und zu fotografieren sind. Ein gewaltiges Naturschauspiel – wenn keine Straße dazwischen liegt. Dann endet die Wanderung oft als gewaltiges Trauerspiel.

Weil dieses Bild so traurig ist und weil ich massenweise Aufnahmen von plattgefahrenen Kröten machen konnte, nun zum Abschluss noch ein paar schöne Unterwasseraufnahmen. Bald verlassen die Erdkröten ihre Laichgewässer wieder und werde ihnen in den Wald folgen 🙂

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