Vulkanausbruch auf La Palma – ein Reisebericht

In den Vulkangebieten des Rheinlandes bin ich seit vielen Jahre regelmäßig unterwegs. Da stehen Vulkane in der zentralen Vulkaneifel, die sind 35 Millionen Jahre alt, von ihnen sind nur noch die freigewitterten Vulkanschlote übrig. Da sind aber auch – geologisch – junge Schlackenkegel, die nur 100.000 Jahre oder auch noch viel jünger sind. Gerade diese jungen Schlackenkegel sind von besonderem Interesse, da sie sich sehr gut mit dem derzeit aktiven Vulkan auf La Palma vergleichen lassen. Um die Vulkane der Eifel besser zu verstehen, ist es sinnvoll, den Vulkan auf La Palma zu beobachten.

Da ich in den Anfangszeiten des Ausbruchs auf La Palma leider nicht dorthin reisen konnte, habe ich dann in der zweiten Novemberhälfte, als der Vulkan immer noch keine Ruhe geben wollte, spontan Flugtickets und eine Unterkunft gebucht und bin dorthin, um den Vulkan eine Woche lang zu beobachten. An- und Abreise sind nicht ganz einfach, da der Flughafen von La Palma wegen der Vulkanasche immer wieder gesperrt wird. Zu der Zeit, als ich in der letzten Novemberwoche auf La Palma war, war der Flughafen komplett geschlossen, ich musste mit dem Flieger nach Teneriffa und von dort mit der Fähre nach La Palma. Da die Fähre nicht wie die Kölner Straßenbahnen alle 10 Minuten kommt, sondern nur drei- bis viermal am Tag, sind lange Wartezeiten einzukalkulieren und auch auf der Rückreise ergänzten sich Fähre und Flugzeug nicht, so dass eine Übernachtung auf Teneriffa notwendig war.

Schon auf der Fähre von Teneriffa nach La Palma wird gewarnt

Aber, die Reise hat sich gelohnt, der Vulkan ist spektakulär und als ich dann endlich da war, begann er, noch einmal richtig Gas zu geben, neue Eruptionen, Lavafontänen von vielen hundert Metern Höhe und neue Lavaströme, die sich über die Landschaft ergossen.

Was für den Vulkanologen und Fotografen faszinierend ist, ist für die Einwohner von La Palma eine Schrecken ohne Gleichen. Seit über zwei Monaten ergießen sich die Lavaströme vom Vulkankegel über die Landschaft und fließen ins Meer. Weit über 1000 Häuser wurden schon vernichtet, die Ortschaft Todoque existiert nicht mehr, weite Bereiche sind von meterhoher Vulkanasche bedeckt, Häuser sind verschüttet, Bananenplantagen vernichtet. Viele Menschen haben alles verloren. Infrastruktur ist auf Jahre zerstört, die Insel ist geteilt, Süden und Norden sind nur über weite Umwege zu erreichen. Die Schäden erreichen Milliaradenhöhe. Der spanische Präsident war bereits mehrfach auf La Palma, um den Einwohner die Unterstützung der Regierung zuzusagen. La Palma lebt vom Tourismus und Bananenexporten, viele Einwohner La Palmas betonen deshalb, dass es jetzt und in Zukunft wichtig ist, die Insel nicht aus den Reiseplänen zu streichen. Auch wenn die Diskussion natürlich geführt wird, dass die Vulkantouristen als Gaffer kommen (ich auch) und das manch einer nicht gut heißt, so rufen doch auch Inselpolitiker dazu auf, nach La Palma zu reisen. Hotels müssen ausgebucht sein, um den Lebensunterhalt vieler Inselbewohner zu sichern.

Schon auf der Fahrt vom Hafen zum Hotel sehe ich ihn,
kaum, dass ich aus dem Tunnel durch die Cumbre veija bin …
direkt hinter dem Ort : der Vulkan
Der Vulkan über der Ortschaft El Paso

Überall auf der Insel liegt Asche, die Straßen sind voll davon, überall sind Teams unterwegs, die Vulkanasche einfegen, kleine Bagger schaufeln das Material auf kleine Lastwagen, die es abtransportieren. Überall Vulkanasche, in Gärten, auf Terrassen, auf Autos, auf Gartenstühlen, in Swimmingpools …

Morgens im Hotel hat der Hausmeister erst einmal mein Auto abgespült, bevor ich losfahren konnte.

Eines Morgens hatte der freundliche Hausmeister die Terrasse vor meinem Appartement gefegt, des Nachts drehte der Wind und am nächsten Morgen lag wieder alles voll Vulkanasche ….

Kaum war die Terrasse gefegt, lag sie schon wieder voll mit Vulkanasche

Natürlich steht überall Guardia Civil, um begeisterte Vulkanfotografen wie mich auszubremsen – aber überall können die ja auch nicht sein 🙂 Die Region, die von der Vulkanasche stark betroffen ist, ist weiträumig abgesperrt, auch an die Lavaströme direkt wird man nicht heran gelassen. Das ist auch nicht richtig. Wenn man Vulkantouristen auf die Insel lässt, dann sollte man ihnen auch den direkten Kontakt mit dem Lavastrom ermöglichen – natürlich nicht zu direkt, mir sind die Gefahren des Vulkans sehr wohl bewusst, ich möchte keine Lavabombe auf den Kopf bekommen und gegen giftige Dämpfe muss eine Schwefelmaske dabei sein.

Hier nun noch ein paar schöne Fotos vom Vulkan … am Wochenende folgen weitere.

Scheinbar endlose Lavaströme fließen über die Insel
La Palma
La Palma

1 Kommentar

  1. Spannend erzählt ! Man glaubt, es selber
    gesehen zu haben !
    Phänomenale Bilder !
    Freue mich schon auf weitere Fotos !

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