Der Drachenfels liegt auch unter dem Rhein

Vulkanologisch betrachtet überragt der Drachenfels nicht nur das Rheintal, nein: er liegt auch unter dem Fluss. Jetzt, wo der Rheinpegel so tief gefallen ist, lässt es sich im trocken liegenden Rheinbett gut beobachten. Dies ist auch der Herkunftsort von Rheinkieseln aus dem Gestein Trachyt, die sich flussabwärts gelegentlich finden.

Unterhalb des Drachenfelses soll es einst einen Hafen gegeben haben, den sogenannten Römerhafen. Schon die Römer bauten ab Drachenfels Gestein ab, verluden es auf Lastkähne und transportierten es in die Römerstadt Köln um dort Bauwerke aus diesem Gestein zu errichten. Ob das, was dort am Fuße des Drachenfelses wie ein Hafen aussieht, tatsächlich einst ein Hafen gewesen ist, den die Römer im Fels angelegt haben oder ob es einfach nur eine natürliche Struktur ist – die dann aber sicherlich von den Römern als Anlegestelle genutzt wurde – darüber sind sich die Archäologen uneins. Fakt ist aber, dass es auf dem Drachenfels alte römische Steinbrüche gibt, das dort der Trachyt gebrochen wurde und auf rutschbahnartigen Pisten ans Rheinufer transportiert wurde. Die großen Trachytblöcke wurden von hier mit Lastkähnen nach Köln geschafft.

Für gewöhnlich liegt die Struktur, die den Römerhafen darstellen soll, unter Wasser, aber gerade jetzt, da der Rhein so wenig Wasser führt, ist sie vollkommen trocken gefallen und läßt sich besuchen und bewandern. Der gesamte Felsboden, der mit wenigen Rheingeröllen bedeckt ist und an vielen Stellen hervor schaut, besteht aus dem vulkanischen Gestein Trachyt, das den gesamten Drachenfels bildet. Das heißt auf geologisch, der Drachenfels als Vulkanit-Intrusion liegt auch unter dem Rhein.

Erinnern wir uns: von etwa 26 Millionen Jahren begruben gewaltige Vulkanausbrüche die Region des heutigen Siebengebirges unter einer 200 Meter mächtigen Tuffschicht. Eine Millionen Jahre später drangen in diesen Tuff wiederum Vulkanite ein und bildeten blasenförmige Körper im Tuff: etliche hundert Meter im Durchmesser große Gesteinskomplexe erstarrten daraus: Basalte, Latite und Trachyte. Viele Millionen Jahre später witterten sie frei und wurden zu den Bergen des Siebengebirges. Der Rhein floß lange Zeit über dem heutigen Siebengebirge, erst vor einigen hunderttausend Jahren grub er sich in den Untergrund, das Rheinische Schiefergebirge, auf dem die Vulkanite des Siebengebirges aufsitzen, hob sich. Weil der Drachenfels direkt am Rhein liegt, wurde ein Teil – der heutige Felsen – freierodiert, die andere Hälfte wurde vom Rhein aberodiert. Die Reste sind am derzeit freiliegenden Boden derzeit zu besichtigen.

Rundgewaschene Felsblöcke aus Drachenfelstrachyt schauen aus dem trockenliegenden Flußbett des Rheins hervor. Die zahlreichen parallel angeordneten Schlitze im Gestein sind durch ehemalige Feldspatkristalle (Sanidin) gebildet, die jedoch verwittert sind.

Ein großer Sanidinkristall schaut auf dem obigen Bild aus dem Gestein hervor. Das ist typisch für den Drachenfelstrachyt und läßt sich an vielen Gebäuden im Rheinland wiedererkennen, bspw. am Bonner Münster, am Kölner Dom und an den romanischen Kirchen Kölns. Das Bild unten zeigt ein Geröll vom Kölner Rheinufer, typisch Drachenfelstraycht, deutlich ist der Querschnitt eines Sanidinkritalls zu erkennen.

3 Kommentare

  1. Hallo Sven, ja, vielen Dank! Hatte den Römerhafen auch schon wieder völlig vergessen! Werde diese Woche mal gucken gehen…bevor wieder, hoffentlich! etwas Wasser kommt.

  2. Danke für Hinweise und Erläuterungen. So hat das Niedrigwasser doch auch etwas Gutes ;-).

  3. Danke, das mit dem Römerhafen wusste ich noch gar nicht. Vielleicht werde ich die Situation auch mal nutzen und mir das ganze mal ansehen.

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