Eisenbahnlinie in der Osteifel wegen Lavastrom umgeleitet !

Immer wieder müssen irgendwo auf der Welt Verkehrswege an Lavaströme angepasst werden. Das geschah gerade erst vor wenigen Wochen auf der Kanareninsel La Palma, als die ausfließenden Lavaströme die Nord-Süd-Verbindungsstraßen auf der Westseite der Insel blockierten und die Insel praktisch zweiteilten. Im Januar 2002 eruptierte der Vulkan Niyragongo in der Demokratischen Republik Kongo, sein Lavastrom floss meterdick über die Landebahn des Flughafens der Millionenstadt Goma. Erst 2015 war die Landebahn wieder von der Lava befreit und konnte saniert werden, die Bundesrepublik Deutschland finanzierte das Projekt und die Welthungerhilfe führte es durch.

Vom Lavastrom bedeckte Landebahn des Flughafens Goma (Quelle: Wikipedia)
von den Lavaströmen bedeckte Straßen und Wege auf der Westseite La Palmas (Quelle: Copernicus)

Aber auch in viel älteren Vulkangebieten werden Infrastrukturprojekte und der Verkehrswegebau durch vulkanische Aktivitäten beeinflusst, auch wenn diese schon länger zurück liegen. Südlich der Stadt Mendig am Laacher See in der Osteifel liegt das Örtchen Thür. Thür hat einen Bahnhof und liegt an der Eisenbahnstrecke von Andernach am Rhein nach Gerolstein. Außergewöhnlich ist der Streckenverlauf dieser Eisenbahnlinie in Thür, vor Thür nämlich biegt die Eisenbahnline nach Süden ab und macht einen großen Bogen um den Thürer Berg, um dahinter wieder Richtung Norden umzubiegen und in Richtung Kottenheim weiterzuführen. Der Thürer Berg ist das Ende eines Lavastroms, der hier zum Stillstand kam.

Schon im 19.Jahrhundert mutmaßten Geologen, das dieser Lavastrom vom Hochstein stamme. Sicher war man sich aber nicht, denn auch der Sulzbusch-Vulkan schickte Lava in diese Richtung. Vor 600.000 Jahren ergoss sich ein Lavastrom vom Sulzbusch über das Gebiet des heutigen Obermendig bis hin nach Thür, dort stoppte er kurz vor der heutigen B 256. Erst 250.000 Jahre später brach der Hochstein-Vulkan aus und ließ drei Lavaströme ausfließen. Einer davon floss ebenfalls nach Osten, verbreiterte sich unter dem heutigen Obermendig und bildet den Höhenrücken zwischen Obermendig und Thür und – so dachte man bis 2008 – auch den Thürer Berg. Aber dann ergaben petrographische Untersuchungen, dass der Hochstein-Lavastrom gar nicht so weit gekommen ist. Er endete zuvor und der Thürer Berg wird tatsächlich vom Lavastrom des Sulzbuschs gebildet. So ein Berg kann nicht einfach weggeschaufelt werden, zumal es sich um das äußerst wiederstandsfähige Gestein Basalt handelt, also mussten die Eisenbahnbauer die Bahnline in weitem Bogen um den Thürer Berg herumführen. Die ursprüngliche Ortschaft Thür liegt am Fuße des Lavastroms, erst in jüngerer Zeit wurden Neubaugebiete am Hang des Berges erschlossen.

Der Auschnitt aus der Beilage zu Wilhelm Meyer, Geologie der Eifel (4.Auflage 2013) zeigt den Sulzbusch-Vulkan (46) und den Hochstein-Vulkan (47) – beide gehören zum Riedener Vulkankomplex. Während der ältere Lavastrom des Sulzbuschs vom Riedener Tuff und dem Lavastrom des Hochsteins verdeckt ist, sieht man gut, wie vom Hochstein aus der Lavastrom nach Osten fließt und kurz vor Thür endet. (49) stellt den heutigen Thürer Berg dar.

In der Landschaft ist das gut zu sehen, oben am Hochkreuz auf dem Thürer Berg fällt der Blick nach Norden und wir erkennen gut den Höhenrücken, den der Lavastrom bildet. Wenn wir die Lage dort oben genauer anschauen, sehen wir anstehenden Basalt am Straßenrand unterhalb des Hochkreuzes, auch das Hochkreuz selber steht direkt auf anstehendem Basalt.

Blick auf Obermendig und den Hochstein vom Hochkreuz aus
Thürer Berg – Lavastrom des Sulzbuschs am Straßenrand
Thürer Berg – Lavastrom des Sulzbuschs unter dem Hochkreuz
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