Zum Inhalt springen

Abtauchen ins Korallenriff – die Kluterthöhle in Ennepetal

Das ist wahrlich grandios. Ein Spaziergang durch ein 360 Millionen Jahre altes Korallenriff. Herrliche Fossilien in ungeahnten Mengen. Bequeme Gänge führen hunderte Meter lang ungefährlich durch den Fels, es gibt spezielle Abenteuer-Exkursionen für Kinder und für die, die es wirklich höhlenabenteuerlich wollen, gibt es enge Gänge zum Hindurchzwängen.

Das lädt ein zu einem spannenden Ausflug für Hobbyhöhlenforscher und Fossiliensammler, egal ob groß oder klein. Hier ist der Tourentipp Kluterthöhle

Ausführlichere Fotobeiträge zu Höhlentouren und Fossilien folgen demnächst.

Kluterthöhle Ennepetal in der Korallenstraße
Die Korallenstraße in der Kluterthöhle

Ausgangspunkt ist der Eingang zur Kluterthöhle hinter Haus Ennepetal. Der etwas versteckte Zuweg von dort über eine Brücke über die Bahnlinie an den Waldrand zur Höhle ist ausgeschildert. Alle Informationen zur Anfahrt und den Öffnungszeiten finden Sie auf der Homepage der Kluterthöhle

Bevor es in den Untergrund hinab geht, schauen wir uns die Gesteine überirdisch an und machen uns auf zu einer 9 km langen Wanderung mit 316 Höhenmetern im Aufstieg und wieder im Abstieg. Natürlich können Sie die Kluterthöhle auch ohne diese Wandertour besuchen 🙂 .

Am Eingang der Kluterthöhle gehen wir links vorbei, wandern auf dem Wanderweg No.1 immer direkt oberhalb der Bahnlinie und des Flüsschens Ennepe, gelangen an den Ortsrand und biege nach in die Strasse „In der Kehr“ ab. Wir folgen weiterhin dem Wanderweg No.1. Hinter der ehemaligen Deponie macht der Wanderweg eine deutliche Linkskurve, führt hangabwärts, an der ersten großen Weggabelung halten wir uns nach rechts und folgen der Markierung Wappenweg. Wir bleiben immer auf dem Wappenweg durch den Gevelsberger Stadtwald. Es geht vorbei am 331 m hohen Buchenberg mit seinem Funkmast, einem der höchsten Punkte der Region, auf dem freien Feld dahinter habe wir einen schönen Ausblick auf die Stadt Gevelsberg.
Wir stoßen auf einen asphaltierten Fahrweg und folgen ihm ein paar hundert Meter geradeaus. Hier stand einst der Meininger Haferkasten, ein historischer Kornspeicher, eine Infotafel erläutert die Geschichte. Wenn jetzt etwas über unsere Köpfe hinweg fegt, ist gerade auf dem Modellflugplatz Betrieb, kurz dahinter biegen wir nach rechts auf einen Wanderweg mit Markierung A2 ab und folgen diesem Weg immer hangabwärts, auch wenn die Markierung A2 nicht mehr vorhanden ist. Wir gelangen in die Ortschaft Oberbrinke, vor dem Gymnasium biegen wir nach rechts in den Ebbighausener Weg ab, halten uns an der ersten Wegeinmündung links, gehen weiter auf einem kleinen Pfad und passieren den Sportplatz. Noch nicht ganz vorbei am Sportplatz gehen wir rechts ab und sind im Wald auf dem Klutertberg.

Klutertberg Ennepetal Kalksteinschichten
Alte Steinbrüche auf dem Klutertberg

Der alte Weg, ein bißchen zugewachsene Weg führt rund um den Klutertberg. Rechts des Weges am Hang sehen wir immer wieder mächtige Felsformationen, die sich bei näherer Untersuchung als Kalksteinfelsen herausstellen. Die Kalksteine sind mal grob, mal fein, in jedem Fall aber deutlich gebankt, wer sie genauer untersucht, findet Fossilien darin. Nicht nur Korallen und Stromatoporen schauen aus dem Gestein, sondern auch Brachiopoden, das sind am Meeresboden lebende Tiere, die Schalen wie Muscheln bilden. Auffällig ist der bis über faustgrößere erreichende Stringocephalus, der uns verrät, das diese Gesteine in die geologische Givet-Stufe gehören und ein Alter von 390 Millionen Jahren haben. Wer genau hinschaut, erkennt auch hier Karstformen, das sind Lösungserscheinungen auf Kalkstein. Das ablaufende Oberflächenwasser hat einen leicht saueren pH-Wert und löst den Kalk auf, es bilden sich Rinnen.
Und nun denken wir uns in die Erde unter uns hinein. Unter uns liegt die Kluterthöhle, eine der größten Höhlen Deutschlands mit fast 6000 Metern Gängen. Wie kann solch eine gewaltige Höhle entstehen ?
Wie schon in der Einleitung geschildert, lag die Region des heutigen Bergischen Landes im Erdzeitalter Mitteldevon als großes Meeresbecken nahezu auf dem Äquator. Im Norden der gewaltige Old-Red-Kontinent mit dem variszischen Gebirge, im Süden die alte Landmasse Gondwana, die auch das heutige Afrika umfaßte. Vom Old-Red-Kontinent wurden im Unterdevon riesige Sedimentmassen in das Meeresbecken gespült, es bildeten sich Grauwacken und Sandsteine. Im späteren Mitteldevon aber hörte die Sandschüttungen auf, es entwickelte sich ein warmes, klares Flachmeer, in dem Korallen- und Stromatoporen (schwammartige Organismen) wachsen konnten. Die wuchsen dort so prächtig, das sich große Riffkomplexe bilden konnten. Im Bereich des Klutertberges finden sich an der Basis rote Schiefer, das sind sandige Sedimente. Wir werden Sie auf unserer Tour nicht sehen, sie sind direkt neben der Eisenbahnlinie aufgeschlossen. Darauf liegen ein paar Grauwacken, aber darüber folgen bis zu 12 Meter mächtige Riffkalke. Eine ganze Zeit lang war das Wasser flach, klar und warm, Riffe wuchsen. Sandablagerungen folgten, der obere Bereich des Klutertberges besteht aus Sandsteinen, denen wir hinter dem Sportplatz von Oberbrinke begegnen. Und ganz obenauf gibt es noch einmal fossilführende Kalksteine, die wir in den Steinbrüchen auf dem Gipfel des Klutertberges besichtigen. Riffwachstum wurde mehrfach durch sandige Schüttungen unterbrochen. In den 12 Meter mächtigen Riffkalken hat sich die Kluterthöhle gebildet, der Riffkörper hat eine Ausdehnung von etwa 700 Metern.

Kluterthöhle Ennepetal
Die normalen Wege durch die Kluterthöhle sind hoch und geräumig – niemand muss sich durch enge Spalten zwängen.
Koralle Mitteldevon Kluterthöhle Ennepetal
Korallen in der Kluterthöhle

Was einfaches durchfließendes Wasser im Laufe der Zeit in einem Kalkstein anrichten kann, das schauen wir uns bei einem Besuch der Kluterthöhle an. Es ist faszinierend in dieser Höhle zu stehen und darüber nachzudenken, das die Hohlräume einst voller Kalkstein waren, der einfach weggelöst wurde. So bekommen wir herrliche Einblicke in die unterirdischen Gesteine, in die Strukturen des Kalksteins und betrachten, wie sich der gelöste Kalk wieder in Form von Kalksinter abscheidet, er bildet Sintertapeten und Tropfsteine, wenn in dieser Höhle auch nur in bescheidenem Umfang. Die Kluterthöhle ist keine Tropfsteinhöhle. Aber wir wandern durch ein fossiles Riff. Während wir auf Exkursion 2 in der Schlade oberirdisch über ein Stromatoprenriff hinweg wandern, wandern wir nun mitten hindurch. Die Wände sind voller herrlicher Fossilien, verschiedene Korallen- und Stromatoporenarten liegen da wie angeschliffen. Es sind Anblicke, die man nur selten erlebt, den Besuch der Kluterthöhle sollte man sich nicht entgehen lassen.
Während sich der Kalkstein schon vor 390 Millionen Jahren bildete, entstand die Höhle erst in erdgeschichtlich junger Zeit im Tertiär. Wahrscheinlich entwickelte sie sich erst im Laufe der letzten zwei Millionen Jahre, als sich die Mittelgebirge langsam zu heben begannen.

Kluterthöhle Ennepetal Frank Landsberg

Die Kluterthöhle kann nicht auf eigene Faust, sondern nur mit einer Führung erkundet werden.
Um sich in Ruhe die Gesteine anzuschauen und Fotos zu machen ist am besten die Normalführung geeignet. Wer ein bißchen mehr auch in die engen Gänge schauen möchte, macht bei der Abenteuerführung mit und wer endlich einmal richtig Höhenforscher sein will, und sei es nur für zwei Stunden, kriecht durch engste Höhlengänge, robbt durch Schlamm und Pfützen, windet sich kopfüber in unbekannte Löcher, um nach beklemmender Enge irgendwo wieder heraus zu kommen. Das ist die xxtreme-Führung, ein Erlebnis für die, die ein bißchen mehr Mumm haben und sportlich sind.
Erforscht, bearbeitet und betreut werden die 8 Ennepetaler Höhlen am Klutertberg vom Arbeitskreis Kluterthöhle

Kluterthöhle Ennepetal

Wie kommt man hin ?

ÖPNV :
Bundesbahn Bhf. Ennepetal/Gevelsberg, von dort 1500 zu Fuß oder mit der Buslinie … nach Haus Ennepetal

KFZ-Navi :
Gasstrasse 10, 58256 Ennepetal. Parkhaus in Haus Ennepetal

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.