Ein Wasserfall, der wächst

Der Wasserfall Dreimühlen bei Nohn in der Eifel wird täglich größer und liefert die spekatulärsten Bilder im Winter

Der Nohner Wasserfall liegt in der Hillesheimer Kalkmulde, einem Gebiet mit nach unten gebogenen Erdschichten – eben einer Mulde – aus devonischem Kalkgestein. Wasser, das viel Kohlensäure enthält, löst den Kalk, dadurch verbreitern sich Klüfte und Spalten im Kalkstein zu Gängen und großen Höhlensystemen. Karst wird diese Form der Lösungsverwitterung genannt – Namensgeber ist die gleichnamige Landschaft in Kroatien und Slowenien. Das Wasser nimmt Säure auf, entweder entsteht durch das Kohlendioxid aus der Luft im Wasser Kohlensäure oder aus dem Boden lösen sich im Wasser Huminsäuren. Kaltes Wasser kann sehr viel CO2 aufnehmen und enthält dementsprechend viel Kohlensäure, die den Kalk löst. Tritt nun das Wasser an einer Quelle aus dem Berg aus und sprüht am besten noch etwas durch die Gegend, entweicht das Kohlendioxid und der Kalk fällt wieder aus – es entsteht das Gestein Travertin (Kalktuff). Travertin ist im feuchten Zustand relativ weich, an der Luft trocknet er, wird hart und dadurch zum begehrten Baumaterial. Am Nohner Wasserfall wachsen Moose, um die sich der Kalk setzt, was die Moose nicht mögen. Deshalb wachsen sie schneller, um nicht vom Kalk umhüllt zu werden. Ein Gestein mit vielen Röhrchen entsteht, das Moos trägt dazu bei, dass der Travertin schneller nach oben wächst. Oberhalb des Ahbachs treten schon seit sehr langer Zeit einige Quellen aus, die stark kalkhaltiges Wasser führen, sie bildeten im Laufe der Zeit eine Stufe aus Travertin, auf der heute noch die Ruine der Burg Dreimühlen steht. Wir finden die Ruine nur 200 Meter vom Wasserfall entfernt auf der Anhöhe. Als 1912 die Trasse der Ahrtalbahn in Richtung Hillesheim verlängert wurde, wurden die Quellen eingefasst und gemeinsam in einer Rinne unter der Bahntrasse hindurchgeführt (wir erkennen den breiten Weg oberhalb des Wasserfalls als ehemalige Bahntrasse) und sprudelten den Hang hinab. Kalk fiel in Mengen aus, und die Bildung des Nohner Wasserfalls begann. Eine Nase aus Travertin bildete sich in Richtung Tal, in knapp über hundert Jahren ist sie über 12 m lang und über 5 Meter hoch geworden, und immer noch sprudelt das Wasser munter dort hinab und lässt den Kalkfelsen täglich wachsen. Diese Zahlen sind interessant, zeigen sie doch, dass es zur Bildung von Gesteinskomplexen nicht immer geologisch langer Zeiträume bedarf.

Eine Exkursion zum Wasserfall ist immer interessant, im Sommer picknickt es sich gut am Ahbach vor dem Wasserfall, richtig reizvoll wird es aber erst im Winter. Meterlange Eiszapfen hängen bei längerem Frost vom Wasserfall herunter und bilden eine einzigartige Kulisse. Das Highlight ist diese Szenerie dann in der Nacht, wenn wir den eingefrorenen Wasserfall beleuchten oder wenn früh morgens die Sonne über den Hang kommt und sich in den Eiskristallen bricht – nichts für verfrorene Zeitgenossen.

KFZ-Navi/Parkplatz
Wanderparkplatz an der Nohner Mühle, Nohner Mühle 2, 54578 Nohn

Empfohlener Wanderweg
Wasserfallrunde Kerpen

Weblinks
https://www.gerolsteiner-land.de/a-wasserfall-runde-1

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