Lebte der einsamste Saurier der Welt in der Eifel?

Das berühmteste Fossil der Eifel ist zweifelsohne der Eifelosaurus triadicus, ein kleines, kaum dackelgroßes Reptil, dessen Überreste im Jahre 1904 in einem Steinbruch nahe der Ortschaft Oberbettingen gefunden wurde. In der Wolfskaul, so hieß jener Steinbruch, bauten Arbeiter Buntsandstein ab, einen roten Sandstein, der vor allem in der südlichen Eifel weit verbreitet ist und im gesamten Rheinland, aber auch weit darüber hinaus, als Werk- und Baustein verwendet wird. Es war ein reiner Zufall, dass dieses Fossil gefunden wurde, dass die Steinbrucharbeiter es als Fossil erkannten und es einem kundigen Mitmenschen zeigten, dem die Bedeutung dieses Fundes bewusst wurde. Sonst wäre dieses Fossil als Baustein in irgendeiner Mauer geendet, mit Mörtel beschmiert und dort irgendwann verwittert – und bis heute wüsste kein Mensch, dass der Eifelosaurus jemals durch die Eifel gewatschelt ist. Und sofort stellt sich die Frage: war Eifelosaurus triadicus wirklich so einsam? Oder gab es vielleicht doch viele von seiner Art, die bisher nicht gefunden wurden oder einfach eingemauert wurden, weil niemand sie gesehen hat? Liegen in den roten Sandsteinen der Eifel vielleicht noch hunderte seiner Art? Ist jedes Bauwerk in einem Eifler Dorf, das aus roten Buntsandsteinen besteht, eine potentielle Fossilfundstelle, vielleicht auch die Kölner Kirche Sankt Agnes?

Sind Saurier nicht eigentlich riesengroß? Meist denken wir bei Begriff Saurier an Tyrannosaurus Rex, Brontosaurus oder Triceratops, die Riesen der Kreidezeit, die zu den Dinosauriern gehören. Sie bevölkerten die Erde erst 170 Millonen Jahre nach dem kleinen Eifelosaurus, der zu den Rhynchosauriern gerechnet wird, einer kleinwüchsigen, viel früheren Sauriergruppe. 22 cm groß ist das gefundene, nicht vollständige Skelett, mit Kopf und Schwanz mag Eifelosaurus etwas über 60 cm groß gewesen sein.

Das Originalfossil des Eifelosaurus im Paläontologischen Museum in Bonn

Die Wahrscheinlichkeit, heute weitere Exemplare zu finden, ist nicht sehr groß, denn der heutige Abbau ist weitgehend mechanisiert, weniger Menschen werfen Blicke auf die Gesteine. In vorigen Jahrhunderten gab es in der Eifel zahllose kleine Kaulen, in denen der Buntsandstein in Handarbeit abgebaut wurde, bekannt dafür sind neben vielen anderen die Hügel rund um die Ortschaft Kordel.

Aber auch der Lebensraum des Eifelosaurus ließ keine großen Fossilbildungen zu. Die devonischen Kalke der Eifel wurden in einem tropischen Meer abgelagert. Gewaltige Korallenriffe blühten – wie es heute vor der australischen Küste im Great Barrier Reef der Fall ist. Meterdicke Kalkschlämme bildeten sich, in denen die Reste der abgestorbenen Lebenwesen seicht eingebettet wurden und in oftmals bester Qualität versteinerten. Ganz anders der Buntsandstein, er ist eine terrestrische Ablagerung, also auf dem Festland entstanden. In einem wohl überwiegend wüstenartigen Klima wurde Kiese, Sande und Tone vom damaligen Ardennenhochland durch starke Regenfälle, aber auch durch wüstenartige Winde und Sandstürme auf die Landschaft der Eifel, die damals keine Berglandschaft, sondern ein Senkungsgebiet war, heruntergespült. In diesen wüstennahen oder wüstenähnlichen Gebieten, die typisch für die Eifel in der Triaszeit waren, lebte der Eifelosaurus. Wahrscheinlich wurden diese Gebiete immer wieder bei Starkregenereignissen von wadiartigen Gewässern durchflossen, an denen sich auch Gebiete mit Pflanzenbewuchs entwickelten. Und dort saß dann wohl der ein oder andere Eifelosaurus, nur die wenigsten von ihnen wurden im Sediment verschüttet und versteinerten.

Rekonstruktion des Eifelosaurus im Eifelmuseum Mayen

Auf dem Gebiet der heutigen Eifel lagerten sich Sande ab, deren Eisenanteile an der warmen Luft oxidierten und rot wurden.  Der Buntsandstein entstand, im Gebiet von Nideggen mit dicken Quarzgeröllen durchsetzt, bei Gerolstein und im Kylltal der Südeifel ein feinkörniger Sandstein. Aber der taugte nicht viel zur Überlieferung von Fossilien, denn Sandstein ist porös, wird vom Wasser durchflossen und Fossilien werden zerstört oder bilden sich erst gar nicht. Insofern war es ein ganz außerordentlicher Glücksfall für die Eifel und ihre Erdgeschichte, dass dieses eine Fossil des Eifelosaurus gefunden wurde. Stellen wir uns die Erdgeschichte der Eifel ohne den Eifelosaurus vor … sie wäre anders.

Und dennoch bleibt ein großes Problem, denn Eifelosaurus ist bis heute kopflos. Das Original-Fossil liegt im Paläontologischen Institut der Universität zu Bonn. Es fehlt dem Fossil tatsächlich der Kopf, ein echtes Problem für die Paläontologen, deren Aufgabe es ist, gefundene Fossilien nicht nur zu bestimmen und zoologisch einzuordnen, sondern auch zu rekonstruieren. Wie mögen oftmals zerdrückte Fossilen als lebende Tiere ausgesehen haben? Wie haben sie sich bewegt, wie haben sie sich ernährt? Um das zu rekonstruieren, werden aufgrund von Knochenmerkmalen und Vergleichen mit anderen Tieren Rekonstruktionszeichnungen und dreidimensionale Modelle erstellt.

Und genau das wurde den Paläontologen zum Problem. Es gibt zwei Rekonstruktionen des Eifelosaurus, eine finden wir im Naturkundemuseum in Gerolstein, eine im Eifelmuseum in Mayen. Welche denn nun dem einst lebenden Eifelosaurus tatsächlich entspricht, werden wir wohl erst dann wissen, wenn ein weiteres Exemplar mit Kopf gefunden wurde.

Werner Kraus, Fachpräparator für Paläontologie an der RWTH Aachen schuf deshalb zwei Modelle, beiden ist der typische Spreizgang gemeinsam, beide haben ein fünfzehiges Hand- und Fußskelett und eine schuppige Haut, wie sie die Reptilien, bspw. Eidechsen, auch heute noch haben, wenn sie in trockenen Gebieten leben.

Oberbettingen liegt bei Hillesheim in der Eifel. Die genaue Location kann bei google-maps mit „Fundstelle Eifelosaurus“ aufgerufen werden, der Weg dorthin ist von der Bahnhofstraße in Oberbettingen ausgeschildert und beträgt nur wenige hundert Meter. An der Fundstelle steht eine Infotafel.

Das Naturkundemuseum in Gerolstein liegt in der Hauptstraße 72 im Zentrum unterhalb der Burg. Öffnungszeiten finden sich auf Website https://nkm-gerolstein.de/

Das Eifelmuseum in Mayen befindet sind in der Genovevaburg mitten im Zentrum im Mario-Adorf-Burgweg 1. Öffnungszeiten finden sich auf der Website  https://www.mayen.de/kultur-tourismus/tourismus/eifelmuseum/

Wolfskaul – Fundstelle des Eifelosaurus bei Oberbettingen

Rekonstruktion des Eifelosaurus im Naturkundemuseum Gerolstein

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