Gab es tatsächlich früher den Kölner Stadtteil Köln-Müllenbach in der Eifel?

Müllenbach ist ein kleiner Ort in der Nähe von Kaisersesch in der Eifel, nahe an der Mosel. Jahrhunderte lang wurde hier der hochwertige Moselschiefer abgebaut … von Kölner Unternehmern, in der „Grube Colonia“ und der Schiefer wurde auch nach Köln geliefert. Müllenach oberhalb des berühmten Kaulenbachtals könnte vor Jahrhunderten quasi ein Kölner Stadtteil gewesen sein.

Hier ist die ganze Geschichte des Kaulenbachtals, in dem jahrhundertelang der hochwertigste Dachschiefer abgebaut wurde … vorwiegend in der Grube Colonia. Im März 1853 gründeten der Kölner Steinbruch-Unternehmer Dominikus Zervas und der Kölner Apotheker Matthias Josef Helff im Kaulenbachtal unterhalb von Müllenbach die Grube Colonia, zahlreiche Gruben wurden zu einem großen Bergwerk zusammengeschlossen. Die Ruinen und Stollen dieser bis 1928 aktiven Grube sind heute im Kaulenbachtal zu besichtigen.

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Der historische Schieferbergbau im Kaulenbachtal bei Kaisersesch

Vor der Hacke ist es dunkel“ besagt ein alter Bergmannsspruch. Trieben die Bergleute einen Stollen ins Gebirge, hatten sie keine Ahnung, was sie auf dem kommenden Meter erwarten würde. War es Erz, war es Kohle, war es wertvolles Gestein oder lauerte dort in der Tiefe und Dunkelheit gar der Schlund zur Hölle?

Schieferabbau im Kaulenbachtal untertage (Danke für das Foto an den Schieferverein)

Auf der Suche nach dem wertvollen Moselschiefer sind deshalb viele Stollen in der Schieferregion ums Kaulenbachtal zwischen Leienkaul, Müllenbach und Laubach, aber auch in der Region um Mayen und Trimbs nur so weit in den Berg vorgetrieben worden, das im Rücken des Bergmanns noch das Tageslicht zu sehen war. In der Dunkelheit lauerte der Höllenfürst. Aber 1827 wagten sich die Kaulemänner bei Leienkaul weiter vor und trieben einen Stollen weit in den dunklen Berg, die Grube hieß Höllenpforte, die Ruinen dieses ersten Stollenbergwerks im linksrheinischen Schieferbergbau sind heute noch zu besichtigen. Sogar der Pfarrer soll damals interessiert vorbeigekommen sein und gefragt haben, ob sie denn dort in der absoluten Dunkelheit schon irgendetwas bemerkt hätten, was auf den Teufel hindeuten würde.

Blick auf die ehemalige Grube Colonia

Der Schiefer bildete sich in der Region der heutigen Eifel bildeten sich im Erdzeitalter Devon vor etwa 400 bis 350 Millionen Jahren in einem Meer, das seinerzeit die Region des heutigen Europas bedeckte. Während in Küstennähe überwiegend grobe Sedimente wie Sande abgelagert wurde, aus den Sandsteine und Grauwacken entstanden, bildeten sich die Schiefer aus küstenfernen Sedimenten. Nur sehr feine Partikel konnten weit genug im Wasser schweben, um draußen im offenen Meer abgelagert zu werden. So bildeten sich Schichten aus feinstem Tonschlamm mit Korngrößen unter 0,002 mm, dieser Schlamm verfestigte sich unter Auflagerungsdruck zu Tonstein, diese Verfestigung bezeichnet der Geologe als Diagenese. Schiefer ist ein schwach metamorphes Sedimentgestein, als Metamorphose bezeichnet die Geologie die Umwandlung von Gesteinen durch erhöhten Druck und erhöhte Temperatur, wobei neue Gesteine und auch neue Mineralarten entstehen können. Bei der Metamorphose des Tonsteins zu Dachschiefer werden bei Temperaturen zwischen 200 bis 300°C und Drücken zwischen 2 bis 5 kbar Tonminerale in Glimmer umgewandelt. Glimmer sind Schichtsilikate, d.h. ihre Atome und Moleküle ordnen sich nicht in Gerüsten, sondern in Schichten an, was plättchenförmige Kristalle entstehen lässt, die sich auseinander blättern lassen. In der Vulkaneifel begegnet uns der oft als Katzengold bezeichnete Glimmer Biotit häufig. Durch gerichteten Druck von der Seite, dieser Druck entsteht durch tektonische Vorgänge wie drückende Erdkruste, richten sich diese Glimmerplättchen senkrecht zum Druck aus, in diese Richtung ist der Tonstein nun sehr gut spaltbar, es ist ein Schiefer entstanden, die neuen Spaltebenen bezeichnen wir als Schieferung. Der Dachschiefer bzw. Moselschiefer spaltet in Platten von 3-4 mm, Glimmerschiefer, die wir vorwiegend aus dem alpinen Bereich kennen, spaltet im cm-Bereich.

Juliusstollen im Kaulenbachtal

Dieser nun entstandene Schiefer hatte vor allem in der Region des Kaulenbachtals eine besonders hohe Qualität, das erkannten die Menschen der Region und begannen, diesen Schiefer abzubauen und zu verkaufen. Moselschiefer heißt er, weil er über Mosel verschifft wurde, auch die Handelsbezeichnung Klottener Schiefer war weit verbreitet. Zunächst wurde der Schiefer in oberirdischen Gruben (Kaulen) abgebaut, aber schon bald drangen die Hauer in den Berg ein. 1695 begann der untertägige Schieferabbau, eine sehr harte Arbeit, die die Menschen überwiegend krank machte, alt wurden die Bergleute nicht, auch dann nicht, wenn sie nicht durch Unfälle ums Leben kamen. Die Eifel war eine sehr arme Gegend, die Menschen hatten es nicht leicht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im Schieferbergbau arbeiteten sie für einen Hungerlohn 12 Stunden am Tag und das an sechs Tagen in der Woche, hinzu kam noch die landwirtschaftliche Arbeit auf der eigenen Feldparzelle, um Nahrungsmittel anzubauen. Meist kamen die Bergarbeiter, das waren die Hauer untertage, die Schieferspalter und die Zurichter von weiter her, da noch keine Straßenbahn fuhr, waren sie oft auch noch länger zu unterwegs, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Deshalb gründeten sie zum Ende des 18.Jahrhunderts, als der Dachschieferbergbau in der Blüte stand, die Siedlung „Leienkaul“ in der Gemarkung Laubach, um nahe am Arbeitsplatz zu wohnen.

Trompetenflechten wachsen auf Moselschiefer im Kaulenbachtal

Die Arbeit muss höllisch schwer gewesen sein und sie arbeiteten in nahezu dunkler Umgebung, nur extrem schwaches Licht durch Karbidlampen u.ä. erhellte den Raum auf bestenfalls zwei Meter Umgebung. Gewaltige Schieferbrocken wurden aus dem Berg gehauen, bis zu 100 kg schwer waren sie und wurden von den Bergleuten auf den Schultern aus bis zu Metern Tiefe aus dem Berg herausgetragen. Zahlreiche, oft tödliche Unfälle ereineten sich, die Lebenserwartung  eines Bergmanns betrug durchschnittlich bestenfalls 50 Jahre. Draußen warteten die Schieferspalter, die das noch bergfeuchte Gestein in Platten spalteten, die Zurichter übernahmen die Platten und schlugen sie mit dem Hammer in die Form der Dachziegel und Fassadenplatten. Nur 10-15% des geförderten Schiefers waren letztendlich für die Plattenherstellung geeignet, der Rest wurde auf Halde gekippt.

Mit Ochsenkarren wurden die Platten nach Klotten an der Mosel gefahren und dort verladen. Während die Bergleute kaum genug Geld zum Leben hatten, verdienten die Händler dann doch ziemlich gut am Verkauf des Schiefers.

Erst Ende des 19.Jahrhunderts verbesserte sich die Lage, im Mai 1895 wurde der letzte Abschnitt der Eifelquerbahn von Mayen nach Gerolstein eröffnet, der Schiefer wurde jetzt mit der Grubenbahn „Bähnchen“ zum neuen Bahnhof Laubach-Müllenbach gefahren und von dort mit dem Güterzug zum Rhein.

Im März 1853 gründeten der Kölner Steinbruch-Unternehmer Dominikus Zervas und der Kölner Apotheker Matthias Josef Helff im Kaulenbachtal unterhalb von Müllenbach die Grube Colonia, zahlreiche Gruben wurden zu einem großen Bergwerk zusammengeschlossen. Die Ruinen und Stollen dieser bis 1928 aktiven Grube sind heute im Kaulenbachtal zu besichtigen.

Moselschiefer aus der Grube Colonia wurde natürlich auch nach Köln geliefert, bspw. war neben entlichen anderen das Gebäude des Verwaltungsgerichts am Reichensbergplatz einst mit Müllenbacher Schiefer gedeckt, das Dach wurde jedoch im Krieg zerstört, heute liegt ein anderes Material auf dem Dach. Im Siebengebirge ist  das Dach des Grandhotels auf dem Petersberg mit Schiefer aus Leienkaul gedeckt.

1898 eröffnete der erste Schacht und jetzt ging der Abbau in die Tiefe, der Schiefer wurde nun mit Maschinenkraft nach Übertage gebracht. Durch diese wirtschaftlich stärkere Konkurrenz schlossen die meisten kleinen Gruben, um 1900 blieben nur noch drei Bergwerke übrig: Colonia bei Müllenbach, Maria Schacht bei Leienkaul und das Müllenbacher Dachschieferwerk auf der Herrenwiese. In der Bergwerkssiedlung Leienkaul lebten im Jahre 1900 bereits 357 Menschen. 1917 war der Schacht im Schieferbergwerk Maria Schaft bereits 100 Meter tief, später erreichte er eine Teufe von über 200 Metern unter dem Förderturm.

Im Januar 1959 endete der Schieferbergbau in Leienkaul über Nacht. Durch einen Wassereinbruch wurden die Grubensohlen der letzten aktiven Grube „Maria Schacht“ geflutet, die Pumpen schafften es nicht, das Wasser abzupumpen, die Grube war abgesoffen, die „Koulemänner“ von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Für Leienkaul war dies glücklicherweise nicht sehr schlimm, da die Bundeswehr an den Standorten Büchel und Ulmen gerade einen großen Personalbedarf hatte.

Und was wurde aus der alten Bergwerkslandschaft? Das Tal wuchs zu, die Hänge verbuschten. Dank des Engagements zahlreicher Bürger aus Müllenbach, Leienkaul und Laubach wurde das Tal 1988 zum Naturschutzgebiet erklärt, 1993 zur Denkmalzone. Nachdem 1994 der Abbau der Schieferhalden durch ein Industrieunternehmen, das das Material für den Straßenbau aufzubereiten wollte, verhindert wurde – es hätte die komplette Zerstörung der gesamten historischen Landschaft mit ihren zahlreichen wertvollen Bergbauzeugnissen bedeutet – gründeten zahlreiche Bürger der drei Ortschaften den Schieferverein, dessen erster Vorsitzender Dieter Laux den Verein 19 Jahre lang führte. In dieser Zeit wurde das Kaulenbachtal zur Museumslandschaft umgewandelt, Hänge werden immer wieder freigeschnitten, die Ruinen der Bergwerke wurden gepflegt und ein Spalthaus wurde wieder aufgebaut, es dient heute als Schutzhütte, Wanderwege wurden angelegt, Infotafeln wurden aufgestellt. Heute ist das Kaulenbachtal eine faszinierende Freilicht-Museumslandschaft, die einen großartigen Einblick in jahrhundertelangen Schieferbergbau gewährt, in Müllenbach betreibt der Verein im alten Pfarrhaus ein Museum zur Bergbaugeschichte der Region. Zugleich ist die Gegend ein schönes Wandergebiet und ein wertvolles Naturschutzgebiet, in dem Feuersalamander, Blauflügelige Ödlandschrecke, die Mausohrfledermaus, die Schlingnatter, vielleicht auch Wildkatze und Apollofalter zuhause sind, auf den Hängen wachsen zahlreiche ausgefallene Pflanzen wie Sand-Schaumkresse und Weiße Fettehenne.

Eine Original-Spalterhütte hat der Schieferverein wieder aufgebaut

Alle Informationen finden sich auf der Website des Vereins zur Erhaltung der Schieferbergbaugeschichte e. V.

https://www.schieferverein.de

Das Museum in Müllenbach kann nach Anmeldung besucht werden, für Gruppen stehen nach Terminabsprache Mitglieder des Vereins als Führer bereit, die durch die Landschaft führen und die Geschichte des Schieferbergbaus detailliert und kompetent erläutern.

Fotos: Sven von Loga

Bergwerkprofil und historisches Foto mit freundlicher Genehmigung des Schiefervereins

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